21. August 2009 | 10:11 | Flimmerkiste, Gutes Fernsehen, Panorama | 2 Kommentare
Gestorben wird immer

Auch wenn ich für ein Online-Fernsehmagazin arbeite: Ganz so viel Fernsehen schaue ich eigentlich gar nicht, wie man vielleicht denken mag – regelmäßig bin ich eigentlich nur bei “Dr. House” und “Monk” dabei, wenn es um Fernsehserien geht. Eher durch Zufall stieß ich dann vor einigen Monaten auf “Six Feet Under”: Schon oft hatte ich gelesen, wie toll diese Serie gewesen sein soll, als sie vor einigen Jahren bei VOX augestrahlt wurde (und zuletzt doch recht stiefmütterlich behandelt wurde).
Der Start des Pay-TV-Senders TNT Serie macht dann auch aus mir einen Fan, der nahezu jede der 63 Folgen in den vergangenen Monaten aufsog wie ein Schwamm. Es ist die Liebe zum Detail, mit der die Charaktere von Alan Ball und seinem Team geschrieben wurde – sie offenbart wohl sämtliche Höhen und Tiefen, die man in einem Leben nur durchleben kann und macht “Six Feet Under” daher so unglaublich authentisch. Selbst wenn man als Zuschauer das Gefühl hat, dass die Serie aus der Realität abzuheben droht: Die Rückkehr auf den Boden der Tatsachen folgt immer wieder. In guten wie in (den vielen) schlechten Zeiten.
Wer mein Lieblingscharakter in fünf Staffeln war? Ich weiß es gar nicht, denn irgendwie waren am Ende nahezu alle Figuren ein Teil der Familie – ein Phänomen, das nur ganz wenigen Serien gelingt. Vielleicht war es die depressive Mutter Ruth, die mir am meisten in Erinnerung bleiben wird, weil sie letztlich so unberechenbar erschien und so unglaublich bewegend dargestellt wurde: Vielleicht noch nie wurde einer Serienfigur so viel Tiefe gegeben wie jene der so schrecklich einsamen Ruth Fisher. Und überhaupt: Wie in der Serie mit dem Tod umgegangen wurde, wie ganz bewusst immer und immer wieder ganz bewusst Tabus gebrochen wurden – außergewöhnlich.
Wenn ich wollte, könnte ich wohl einen Roman über die Bestatterfamilie scheiben, von der “Six Feet Under” handelte – doch das haben wahrscheinlich schon genügend Personen vor mir gemacht, als die Serie vor einigen Jahren noch im amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Das Ende liegt nun vier Jahre zurück und ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, weshalb ich so lange warten musste, bis mir diese fantastische Produktion, die eher im Stile eines Spielfilms denn im Stile einer Serie produziert wurde, in die Hände fiel. Den Autoren und Schauspielern kann ich jetzt jedenfalls eigentlich nur danken – für viele Monate hervorragende Fernsehunterhaltung, die wohl ihresgleichen sucht.

2 Kommentare
Marcel
21. August 2009 um 17:52
Sehr schön geschrieben. Wir haben die Serie ja etwa im gleichen Zeitraum komplett geschaut (ich allerdings auf DVD).
Ich glaube, dass mir Ruth am meisten in Erinnerung bleiben wird. Aber wie du ja richtigerweise schreibst, sind alle Figuren ein Teil der Familie geworden – das sehr emotionale Ende hat dies für mich nochmal unterstrichen. Das wird den Schauspielern aber auch ein wenig zum Verhängnis, zumindest bei mir. Wollte kürzlich mal in “Dirty Sexy Money” reinschauen, in der Nate-Darsteller Peter Krause die Hauptrolle spielt. Ich nehm ihm eine andere Rolle aber noch nicht ganz ab, für mich bleibts erstmal Nate.
admin
21. August 2009 um 17:57
Stimmt, das ist immer schwer – irgendwie bringt man die Schauspieler dann doch mit jenen Rollen in Verbindung, in denen man sie zuerst gesehen hat.
Die letzte Staffel habe ich übrigens auch auf DVD gesehen, weil die letzten Folgen bei TNT Serie genau in meinen Urlaub fallen würden und ich das Ende unbedingt vorher noch sehen wollte.